kostbar – was mir heilig ist // talk am 01.02.2015

Wir starten in die heutigen talk mit einer statistischen Erhebung zum Thema Lob. Ich bitte jetzt einmal um Handzeichen. Wer von euch hat in der vergangenen Woche mindestens einmal jemanden so richtig ausdrücklich und von Herzen gelobt? Gelobt weil er den anderen oder dessen Taten kostbar fand?

Da haben sich zwar einige, aber lange nicht alle gemeldet, die heute hier sind. Das ist etwas, was sich in unserem Land ganz häufig beobachten lässt: Wenn wir mit etwas sparsam, ja geradezu geizig umgehen, dann mit Lob. Nicht umsonst heißt das geflügelte Wort: „Nicht gemeckert ist genug gelobt“.

Statistisch gesehen – das hat eine amerikanische Studie herausgefunden, braucht ein Mensch zehn Lobe (Löbe?), um eine Kritik gut verkraften zu können und langfristig psychisch gesund zu bleiben. Denkt da bitte nachher dran, wenn ihr mir was zu diesem Talk rückmelden wollt ☺

Aber im Ernst – ich hab Freitag mitgezählt. Ich bin in der Arche allein übers Telefon 13 mal kritisiert worden – und einmal von einem unserer ArcheKids gelobt worden. So oder ähnlich wird es einfach den meisten Menschen.

Mit unserem Lob gehen wir sehr sparsam um.

Ich glaube ja, dass das in unserem Umgang mit Gott nicht viel anders ist. Ich erwarte jetzt kein Handzeichen, aber fragt euch doch mal wie oft euch in der vergangenen Woche richtig deutlich bewusst war, wie kostbar Gott und sein Handeln für euch persönlich ist. Wie oft ihr Gott in der vergangenen Woche so richtig ausdrücklich und von Herzen gelobt habt.

Bei den meisten – bei mir leider auch – wird das nicht sehr häufig gewesen sein. Manchmal habe ich Gott sogar weniger gelobt, als die Menschen um mich herum.

Ganz anders David in Psalm 103. Die ersten fünf Verse dieses Psalms hören wir uns einmal an.

Lobe den Herrn meine Seele – alles in mir soll seinen heiligen Namen rühmen. Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nie was er alles für mich getan hat. Alle meine Schuld hat er mir vergeben und von aller Krankheit hat er mich geheilt; dem Tod hat er mich entrissen und mich gekrönt mit Gnade und Erbarmen; mit Gutem stillt er mein Verlangen und ich bleibe jung und stark wie ein Adler.

Für David scheinen Gott und sein Handeln das kostbarste, heiligste überhaupt zu sein. Aber wie kommt David dazu sich so voller Elan zum Lob Gottes aufzufordern? David war ja ein ganz normaler Mensch, der Lob sicher sparsam verwendet hat. Was also bringt ihn dazu mit seinem Lob an Gott geradezu verschwenderisch zu sein? Um das rauszufinden, werfen wir einmal den einen oder anderen Blick auf das Leben von David.

Davids Geschichte geht los (beschrieben in den Samuelbüchern in der Bibel), als Saul König über Israel war. Gott hatte Saul verworfen. Deswegen sandte er Samuel, um den neuen König zu salben. David, der eigentlich Schafe und Ziegen für seinen Vater hütete, wurde nichts ahnend zum König gesalbt.

Die folgende Zeit scheint eine Zeit des Triumphs zu sein. David besiegt völlig unerwartet den riesenhaften Kämpfer Goliath und das Heer der Philister, der Feinde Israels, kann in die Flucht geschlagen werden. Als Krieger in Sauls Heer gelingt ihm ein Feldzug nach dem anderen und die Herzen der Israeliten fliegen ihm zu. Das ganze hat nur einen Schönheitsfehler: Saul ist weiterhin König und nicht David.

Saul ist außerdem eifersüchtig auf David. Ja er beginnt ihn aufgrund seines Ruhmes zu hassen und schmiedet Pläne David umzubringen. So kommt es, dass David, der gesalbte König des Herrn, vor Saul in die Wüste fliehen muss. Allein – ohne Proviant und Waffen – mit Angst um sein Leben.

Er kommt in das Gebiet der Philister, die ihn sofort als feindlichen Heerführer erkennen. David muss sich wahnsinnig stellen, um nicht getötet zu werden. Von den Philistern flieht er weiter und hält sich in einer Höhle versteckt. Weiter ohne Versorgung, ohne ein Heer, Diener oder gar einen Palast.

Während David sich in dieser Höhle aufhält, kommen viele Ausgestoßene, Verfolgte und auch einige seiner Verwandten zu ihm. So wird er zum Anführer einer Truppe von Vertriebenen.

Hätte David nicht spätestens jetzt allen Grund gehabt Gott Vorwürfe zu machen. „Du hast mich aus meinem gemütlichen Hirtenleben und meiner Familie rausgeholt, hast mir versprochen ich werde König und jetzt häng ich als Outlaw hier in der Wüste rum!“ Wie kann er Gott trotzdem loben? Ohne jede Angabe von Gründen. Einfach so.

Ich denke, dass das nur an Gottes Wesen liegen kann. An seiner Heiligkeit; an seiner Allmacht. David blickt auf Gott. Und Gottes Heiligkeit treibt ihn trotz seiner Situation zum Lob des Herrn der Welt. Weil Gott kostbar für ihn ist. Einfach so.

Aber die Geschichte geht weiter. Einige Zeit ist ins Land gegangen und Saul gestorben. David hat immer wieder Gottes gnädiges Eingreifen in sein Leben erlebt und spürt es nun besonders deutlich. David wird König über Juda, einem Teil von Israel und schließlich wird er sogar König über ganz Israel. Sein Königtum soll erfolgreich werden. Er führt viele Kriege, in denen er das Reich weit ausdehnen kann. Davids Name wird bekannt und berühmt. Das Volk achtet und ehrt ihn. Gott verspricht ihm sogar, dass nach ihm, seine Söhne und Enkel König über Israel sein dürfen.

David erlebt in seinem Leben, dass Gott nicht nur heilig ist, weil er halt Gott ist, sondern dass auch Gottes Handeln einfach nur kostbar ist. Zu erleben wie Gott in sein Leben eingreift, wie Gott sein einfaches Leben kostbar macht, treibt ihn zum Lob Gottes. Deswegen schreibt er ihm diesen Psalm.

So weit so schön.

Aber was bringt die Geschichte vom Hirtenkönig mit dem kostbaren Leben mir? Schließlich musste keiner von uns bisher in die Wüste fliehen. Auch hat wohl keiner Aussicht auf eine demnächst anstehende Krönung. Überhaupt sind die Erlebnisse Davids schon irrsinnig lange her.

Was kann uns David wirklich noch sagen zu der Frage, wie kostbar Gott und sein Handeln in unserem Leben für uns ist?

Vielleicht müssen wir dazu noch einmal in eine Geschichte hinein schauen. Am besten in eine die ich gut kenne – in meine.

Damits besser zu heute passt, bringen wir den Text aus dem 103ten Psalm einmal in eine heute passende Form:

Egal wie ich drauf bin, ich feier Gottes Namen, und geb ihm Respekt durch all meine Organe. Hey mein Herz, ich muss dich ermahnen: Freu dich, denn er hat viel Gutes getan! Er vergibt dir alle deine Sünden und lässt alle deine Krankheiten verschwinden. Er trennt dich von den Sorgen und dem Selbstmitleid und gibt dir Leidenschaft und Barmherzigkeit. Er füllt dein Leben lang Gutes ein und erneuert deine Kraft, hält dich auf den Beinen.

Wer die persönliche Geschichte von mir und uns gern lesen würde, hätte sie hören müssen 🙂
Nur so viel:

Wir haben für uns als Familie eine Zeit durchgemacht, in der wir viel rund hatten, uns bei Gott zu beschweren – und das hab ich auch getan. Meine Güte, was hat der sich anhören müssen von mir. Und trotzdem wusste ich die ganze Zeit. Gott ist das kostbarste in meinem Leben. Und je länger je mehr konnte ich ihn loben. Trotz der Situation, der Fragen und dem Schmerz.

Und dann haben wir ein Wunder erlebt. Was für eine Kostbarkeit. Gott hat gehandelt und aus einem hundert Prozent gemacht. Gott hat unser Leben um so kostbarer gemacht. Uns heilige Momente geschenkt – bis heute.

Kostbar.

Deswegen hat David recht. Gott ist zu loben.

Einfach weil er Gott ist. Weil er – trotz aller schlimmen Situationen in denen ich stecken kann, wertvoll, kostbar, heilig ist.

Und weil er handelt. Weil Gott in der ein oder anderen Weise in mein, in dein Leben eingreift und heilige Momente schenkt. Das Leben kostbar macht.

Das lässt sich in jedem Leben entdecken.

Ich wünsche uns allen, dass wir in den kommenden Wochen kostbare, gottgeschenkte Momente haben, sie festhalten und feiern.

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