Gleichnisse vom heruntergekommen Gott #2 Die Revolte der Bauern

Nun begann Jesus in Gleichnissen zu ihnen zu reden. Er sagte: »Ein Mann legte einen Weinberg an, umgab ihn mit einem Zaun, hob eine Grube zum Keltern des Weins aus und baute einen Wachtturm. Dann verpachtete er den Weinberg und verreiste.  Zur gegebenen Zeit schickte er einen Diener zu den Pächtern, um sich von ihnen seinen Anteil am Ertrag des Weinbergs geben zu lassen.  Doch die Pächter packten den Diener, verprügelten ihn und jagten ihn mit leeren Händen fort. Da schickte der Mann einen anderen Diener zu ihnen; dem ging es nicht besser: Sie schlugen ihm den Kopf blutig und trieben ihren Spott mit ihm.  Danach schickte er einen dritten; den töteten sie. So ging es noch vielen anderen: Die einen wurden verprügelt, die anderen umgebracht. Schließlich blieb ihm noch einer: sein geliebter Sohn. Den schickte er zuletzt auch noch zu ihnen, weil er sich sagte: ›Er ist mein Sohn, vor ihm werden sie Achtung haben.‹ Aber die Pächter sagten zueinander: ›Das ist der Erbe. Kommt, wir bringen ihn um, dann gehört das Erbe uns!‹ Und sie packten ihn, brachten ihn um und warfen ihn zum Weinberg hinaus. Was wird nun der Besitzer des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Pächter umbringen, und den Weinberg wird er anderen anvertrauen.

– Matthäus 20,1ff

William R. Herzog II. versteht Jesus als den Lehrer der Unterdrückten. Angelehnt an sein Buch möchte ich nun verschiedene Gleichnisse unter diesem Denkansatz verstehen und herausarbeiten, was Jesus erreichen wollte.

(Falls du Teil 1 noch nicht gelesen hast, so macht es in jedem Fall Sinn, sich diesem Text dieses 5 minütige Video anzusehen)

Legen wir los.

Es geht um einen Weinberg.

Warum erwähnt Jesus extra, dass dieser Weinberg neu angelegt wurde? Was werden seine Zuhörer damit verbunden haben, wenn jemand einen Weinberg anlegt? Wie muss man sich so etwas in der Antike vorstellen?

Ein Weinberge gehörten in die Sparte der Luxusartikel. Wer einen Weinberg anlegen wollte, musste eine gehörige Summe Geld investieren, nur sehr reiche Großgrundbesitzer konnten sich so etwas leisten. In den ersten vier Jahren würde es keinen Ertrag einbringen, dennoch müssen Arbeiter den Weinberg kultivieren. Damit macht Jesus klar, dass dieser Großgrundbesitzer zur Oberschicht gehörte.

Die wahrscheinlichste Möglichkeit, wie ein Großgrundbesitzer an das Land für einen Weinberg kommen konnte war, dass er es von jemand anderes nahm. Landwirtschaftliche Fläche war in Galiläa sehr stark gefragt und in dieser Region wurde potentielle Felder allesamt genutzt. Die wahrscheinlichste Variante ist daher, dass dieser adelige Großgrundbesitzer eine schlechte Ernte ausnutzte und Bauern in Zahlungsnot durch Zwangsvollstreckung ihr Land abgenommen hat. Diese Form der Enteignung war gerade im Bereich des Weinanbaus üblich und weit verbreitet, da dieser Wirtschaftszweig teure Exportwaren produzierte, wogegen alle anderen Bauern Subsistenzwirtschaft betrieben, also für den Eigenbedarf der ansässigen Menschen herstellten.

Die Revolte.

Zur gegebenen Zeit schickt der Großgrundbesitzer nun einige Verwalter, die den Tribut einfordern sollen. Die „gegebene Zeit“ ist natürlich die Erntezeit. Und nun verweigern die Pächter jegliche Zahlungen. Das passiert im ersten Erntejahr, und auch in den anschließenden Erntejahren verweigern die Bauern die Zahlungen. Damit stellen sie sich gegen die Zwangsenteignung und lehnen jegliche Besitzansprüche des Großgrundbesitzers ab. Nun war es üblich, dass wenn sich diese Bauern für vier Jahre den Besitzansprüchen des Großgrundbesitzers verweigern könnten, die Bauern das Pachtverhältnis umwandeln könnten, so dass der Hof wieder Ihnen gehören könnte. Das vierte Jahr wäre demnach entscheidend, um die Rechtssache voranzubringen. Diesen Rechtsstreit hätte auch kein Verwalter für den Großgrundbesitzer lösen können, um im vierten Jahr  den Besitzanspruch zu verteidigen, hätte der Großgrundbesitzer einen offiziellen Repräsentanten seines Haushalts senden müssen.

Warum sendet der Großgrundbesitzer seinen Sohn?

Hier ist das Problem, das viele heutige Leser haben, denn wir lesen etwas hinein, was die Zuhörer von Jesus sicher nicht aus diesen Worten verstanden hatten. Wir denken, ein Vater, der seinen Sohn sendet, das kann doch nur Gott sein, der Jesus sendet. Und dann wird der Sohn ja auch umgebracht, steht das nicht eindeutig für die Kreuzigung Jesu?

Als Jesus dieses Gleichnis erzählt hatte, da war er ja noch gar nicht gekreuzigt worden und dass Jesus der menschgewordene Gott war, dass haben die Jünger auch erst nach der Auferstehung verstanden. Die ersten Zuhörer hätten niemals aus der Parabel herausgehört, dass es hier um die Inkarnation gehen könnte. Anders ausgedrückt, wenn diese Parabel von der Inkarnation handeln würde, so hätte sie für die ersten Zuhörer keinen Sinn ergeben.

Versteht man allerdings etwas über die Zusammenhänge der Grundherrschaft zu dieser Zeit, dann wird jedem klar, warum der Großgrundbesitzer seinen Sohn senden musste. Um seine Besitzansprüche zu sichern, brauchte es den offiziellen Repräsentanten des Haushaltes.

Eine trügerische Hoffnung.

Was Jesus macht ist, dass er aufzeigt, wie die Hoffnung der Bauern darauf, durch gewaltsame Revolte ihr Land zurückzubekommen, in einer Katastrophe enden wird. Sie denken, wenn sie den Sohn töten, könnten sie erneut ihre Eigentumsrechte bekommen, aber stattdessen wird der Großgrundbesitzer kommen, den Aufstand niederschlagen und andere Pächter einsetzen.

Was möchte Jesus nun seinen Zuhörern beibringen?

Jesus ist der Lehrer der Unterdrückten. Er bringt ihnen bei, wie sie inmitten von Unterdrückung leben können und wie sie gerade auf der Verliererseite Gottes Reich verkörpern und verwirklichen können. Sein Ziel ist es, dem unterdrückerischen System die Maske vom Gesicht reißen, Jesus deckt auf und nennt Dinge beim Namen. Er konfrontiert die Mächte. Aber er zeigt gerade in diesem Gleichnis auf, dass Gewalt keine Lösung ist, um die gesellschaftlichen Strukturen gerechter zu gestalten.

– Jason

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2 thoughts on “Gleichnisse vom heruntergekommen Gott #2 Die Revolte der Bauern

  1. Immer wieder eine interessante Perspektive; muss mich mal intensiver damit befassen. Auch wenn es tatsächlich auf den ersten Blick plausibel klingt, muss ich zugeben, dass es auch ein wenig so wirkt, als ob Herr Herzog womöglich ein bisschen viel in den Text hineingelesen hat. Aber wie gesagt, dafür muss ich mich mal intensiver mit der Materie auseinandersetzen. Mein Spekulieren bringt ja doch alles nix :-).

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