Zeitgeist# Die Geschichte geht weiter

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Zeitgeist. Modeerscheinung. Trend. Schnelllebigkeit.

 

Wie ist das mit dem Zeitgeist? Ist das eine Sache, von denen sich Christen fernhalten sollten? Oder ist das etwas, wo Gottes Geist ein Wort mitzureden hat?

 

Was tut Gott eigentlich heute? Ist er nur in der Kirche aktiv? Wohl eher nicht. Aber wie können wir ihn dann in der Welt erkennen? 

 

Darum wird’s in der Serie gehen. 

 

Dazu setzen gehen wir bei Mosaik  in den nächsten Wochen vielfach in die Apostelgeschichte. Dieses Buch in der Bibel hat es in sich. Der Autor, Lukas, hat es als Doppelwerk mit seinem Evangelium verfasst. Die Geschichte dahinter hat mich tief beeindruckt, steigen wir ein:

 

Schon viele haben die Aufgabe in Angriff genommen, einen Bericht über die Dinge abzufassen, die in unserer Mitte geschehen sind und die wir von denen erfahren haben, die von Anfang an als Augenzeugen dabei waren und dann Diener des Wortes geworden sind.  Darum hielt auch ich es für richtig, nachdem ich allem bis zu den Anfängen sorgfältig nachgegangen bin, diese Ereignisse für dich, hochverehrter Theophilus, in geordneter Reihenfolge niederzuschreiben, damit du erkennst, wie zuverlässig all das ist, worin du unterrichtet worden bist.

Lukas 1,1-4

 

Offensichtlich hat es bereits andere Berichte über Jesus gegeben (Mt, Mk). Eigentlich gibt es doch gar keinen Grund, einen weiteren Bericht zu schreiben? 

 

Lukas betont hier, dass er der Sache erneut nachgegangen ist. Sogar besonders sorgfältig. Will er damit vielleicht andeuten, dass in der Urkirche bestimmte Dinge übersehen worden sind? Offensichtlich sieht er die Notwendigkeit, dass die Erzählungen über Jesus noch einmal Oder durchgegangen werden müssen.

 

Denn offensichtlich haben sich Zweifel an der Zuverlässigkeit eingeschlichen. Lukas will betonen: Du brauchst die Hoffnung nicht aufgeben, denn was du gehört hast, ist zuverlässig. 

 

Wie kam es dazu?

 

Wir wissen über die Anfangszeit der Christen sehr wenig und viele Fragen sind mehr oder weniger offen. Aber ich möchte versuchen ein paar Umrisse von dem aufzuzeigen, was ich herausfinden konnte. 

 

Unter den ersten Christen der Jerusalemer Gemeinde war die Vorstellung der Naherwartung verbreitet. Man glaubte, dass es nur eine Frage von Wochen oder Monaten, maximal aber weniger Jahre sein würde, bis Jesus wiederkommt. Das hat man aus folgenden Textstellen/Jesusworten abgeleitet: 

 

Mt 10,23: Ich sage euch: Noch bevor ihr mit den Städten Israels zu Ende seid, wird der Menschensohn kommen.

 

Lokaler Fokus: Viel weiter werdet ihr gar nicht kommen. Dann kommt Jesus wieder. 

 

Mt 16,18: Ich sage euch: Einige von denen, die hier stehen, werden nicht sterben, bis sie den Menschensohn in seiner Königsherrschaft kommen sehen.«

 

Zeitlicher Fokus: Es wird kaum länger, als ein paar Jahre dauern. Dann kommt Jesus wieder. 

 

So eine Naherwartung führt dazu, dass man sein Leben anders gestaltet. Man plant kurzfristig. Man legt keinen Wert auf Beständigkeit. Man macht es sich nicht bequem und lebt eher provisorisch. 

 

Wir lesen von der Urgemeinde auch, dass sie genauso gelebt hat. Viele haben ihre Grundstücke und Habseligkeiten verkauft und mit den anderen geteilt. Vielleicht ist das nicht nur eine besondere Form der Großzügigkeit, sondern die Folge davon, dass man an die Nahe Wiederkunft Christi geglaubt hat. 

 

Auf jeden Fall wird deutlich, dass in der Anfangszeit der Kirche viel Leidenschaft, Herzblut, Opferbereitschaft, Verzicht und Begeisterung dabei ist – Momentum: 

 

Alle, die ´an Jesus` glaubten, hielten fest zusammen und teilten alles miteinander, was sie besaßen. Sie verkauften sogar Grundstücke und sonstigen Besitz und verteilten den Erlös entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen an alle, die in Not waren.  

– Apg 2,44

 

Aber Jesus ist nicht gekommen.

 

Man muss eben ein wenig Geduld haben. Es geht darum, dass man stehst bereit ist, wenn er wiederkommt. So entwickelte sich aus der Naherwartung, eine Stehtserwartung. 

 

Und nachdem Jahre ins Land gingen und viele der Apostel starben, da machte sich eine gewisse Enttäuschung breit. 

 

In den kleinen christlichen Gemeinden, die an mehreren Orten entstanden waren, fing man an zu Zweifeln. Würde Jesus wirklich wiederkommen? Lohnt es sich dann überhaupt noch, mit soviel Hingabe, Elan und Einsatz dabei zu sein? Viele Theorien wurden entwickelt und man fing an sich über diese Frage zu streiten. Und man hört immer mehr Geschichten von denen, die sich enttäuscht abgewendet haben. Die ersten Gemeinden hörten auf zu existieren. 

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass die mittlerweile alt gewordenen Gründungsmitglieder frustriert waren: 

 

Das Momentum ist verloren. Die Bewegung drohte in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, sie würde sich vielleicht vollständig auflösen. War es das alles Wert gewesen? Oder war es alles umsonst?

 

Wer hätte damals gedacht, dass die Geschichte erst gerade dabei war, richtig loszugehen? Die Jesus Bewegung würde jetzt erst anfangen, sich auszubreiten und Weltgeschichte zu schreiben. Aber wer hätte das damals gedacht?

 

Ich glaube, dass Lukas so jemand war. Er hat sich nicht von dieser miesen Stimmung anstecken lassen, sondern hat angefangen zu schreiben.

 

Herausgekommen ist sein Evangelium und die Apostelgeschichte.

 

Jetzt ist auch klar, was er wollte. Er wollte den Christen in seiner Zeit eine neue Sicht auf die Geschichte geben, in der sie sich gerade wiederfanden. Er wollte diese Geschichte neu erzählen.

 

Nicht weil die alten Berichte, die Evangelien, falsch gewesen sind. Nicht weil man da etwas übersehen gehabt hat. Nicht weil er es jetzt besser wusste und etwas korrigieren wollte. 

 

Er wollte aufzeigen, was diese Geschichte heute bedeutet. Er wollte aufzeigen, wie sich diese Geschichte heute im Leben auswirkt. Aber vielleicht war dafür nötig, dass man die Geschichte neu verstehen würde. Lukas hat gezeigt, dass diese Geschichte von Jesus wahr ist. Sie ist wahr im Leben von uns allen, denn sie findet in uns seine Fortsetzung. 

 

Nachfolge Jesu bedeutet, dass wir einen neuen Blick auf unser Leben bekommen, dass wir unser Leben neu interpretieren müssen.

 

Darum geht es bei #Zeitgeist.

 

Wir glauben, dass Gottes Geist auch heute wirkt. Und sein wirken führt dazu, dass wir Dinge über unser Leben in einem neuen Licht sehen. 

 

Da wo wir anfangen zu glauben, dass die Geschichte zu Ende geht, da müssen wir lernen: Gottes Geschichte mit uns fängt gerade erst richtig an. Lerne das neu zu interpretieren: Was du als Ende erkennst, ist der Übergang zum nächsten Kapitel.

 

Wie macht Lukas das?

 

Im ersten Teil meines Berichtes, ´verehrter` Theophilus, habe ich über alles geschrieben, was Jesus getan und gelehrt hat, von seinem ersten Auftreten an bis zu dem Tag, an dem er ´in den Himmel` hinaufgenommen wurde. Bevor das geschah, gab er den Aposteln, die er ausgewählt hatte, unter der Leitung des Heiligen Geistes Anweisungen ´für die Zeit nach seinem Weggang`. Sie waren es auch, denen er sich nach seinem Leiden und Sterben zeigte und denen er viele überzeugende Beweise dafür gab, dass er wieder lebendig geworden war: Während vierzig Tagen erschien er ihnen immer wieder und sprach mit ihnen über das Reich Gottes und alles, was damit zusammenhängt.  Einmal – es war bei einer gemeinsamen Mahlzeit – wies er sie an, Jerusalem vorläufig nicht zu verlassen, sondern die Erfüllung der Zusage abzuwarten, die der Vater ihnen gegeben hatte. »Ich habe darüber ja bereits mit euch gesprochen«, sagte er.  »Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden, und das schon in wenigen Tagen.« Diese Ankündigung führte dazu, dass die Apostel, als sie ein weiteres Mal mit Jesus zusammen waren, ihm die Frage stellten: »Herr, ist jetzt die Zeit gekommen, in der du das israelitische Reich wiederherstellst?«  Jesus gab ihnen zur Antwort: »Es steht euch nicht zu, Zeitspannen und Zeitpunkte zu kennen, die der Vater festgelegt hat und über die er allein entscheidet.  Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, werdet ihr mit seiner Kraft ausgerüstet werden, und das wird euch dazu befähigen, meine Zeugen zu sein – in Jerusalem, in ganz Judäa und Samarien und ´überall sonst auf der Welt, selbst` in den entferntesten Gegenden der Erde.«

 

 

Die gesamte Debatte darüber, ob Jesus bald kommt, oder ob es dauert ist die falsche Frage. Vergesst diese Diskussion und konzentriert euch auf etwas anderes, auf das Wesentliche.

 

Worauf dann?

 

Lukas spricht über den Heiligen Geist, der auf die Glaubenden kommen würde. Es geht nicht darum, dass du auf der richtigen Seite der Debatte bist. Es geht darum, dass du in deinem Leben von Gottes Gegenwart geprägt wirst und sich das in deinem Leben auswirkt. 

 

Die Debatte ging darum, wann Jesus denn wiederkommen würde. Lukas sagt: Gott ist nicht irgendwo anders, er ist hier. Mit uns. 

 

(Und wann er wiederkommt, das ist nicht eure Sache)

 

Gottes Anwesenheit bringt etwas mit sich, was er Kraft nennt, gr. Dynamos

 

Dynamik, 

Bewegung, 

Veränderung. 

Über den Tellerrand hinaus

zu anderen Menschen. 

 

Die Geschichte fängt gerade erst an spannend zu werden.

 

 

– Jason

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