Frustration – Teil 2

Was ist wenn Gott uns enttäuscht und nicht unseren Erwartungen entspricht?

 

1 Ein Mann namens Lazarus war krank. Er wohnte mit seinen Schwestern Maria und Marta in Betanien. 2 Das ist dieselbe Maria, die dem Herrn das kostbare Duftöl über die Füße goss und sie mit ihrem Haar trocknete.1 Weil ihr Bruder Lazarus krank geworden war, 3 schickten die beiden Schwestern Jesus eine Nachricht und ließen ihm ausrichten: »Herr, der, den du lieb hast, ist sehr krank.« 4 Als Jesus jedoch davon hörte, sagte er: »Lazarus’ Krankheit wird nicht zum Tode führen; sie dient vielmehr der Verherrlichung Gottes. Der Sohn Gottes wird durch sie verherrlicht werden.« 5 Jesus hatte Marta, Maria und Lazarus lieb. 6 Als er von seiner Krankheit erfahren hatte, blieb er noch zwei Tage, wo er war. 7 Erst dann sagte er zu seinen Jüngern: »Lasst uns wieder nach Judäa gehen.« 8 Doch seine Jünger wandten ein: »Meister, erst vor wenigen Tagen haben die Juden dort versucht, dich zu steinigen. Und nun willst du dorthin zurückkehren?« 9 Jesus erwiderte: »Es ist doch zwölf Stunden jeden Tag hell. Solange es hell ist, können die Menschen sicher einen Fuß vor den anderen setzen. Sie können sehen, weil sie das Licht dieser Welt haben. 10 Nur in der Nacht laufen sie Gefahr zu stolpern, weil das Licht nicht bei ihnen ist.« 11 Und er fuhr fort: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, doch nun gehe ich hin und wecke ihn auf.« 12 Die Jünger meinten: »Herr, wenn er schläft, wird er bald wieder gesund!« 13 Sie dachten, Jesus rede von einem heilsamen Schlaf; Jesus sprach aber davon, dass Lazarus gestorben war. 14 Da sagte er ihnen offen: »Lazarus ist tot. 15 Euretwegen bin ich froh, dass ich nicht dort war, weil ihr so einen weiteren Grund haben werdet, an mich zu glauben. Kommt, wir wollen zu ihm gehen.« 16 Thomas, auch »Zwilling«2 genannt, sagte zu den anderen Jüngern: »Wir wollen mitgehen – und mit ihm sterben.« 17 In Betanien berichtete man Jesus, dass Lazarus schon vier Tage im Grab lag. 18 Betanien war nur wenige Kilometer3 von Jerusalem entfernt, 19 und viele Leute4 waren gekommen, um Marta und Maria ihr Beileid auszusprechen und sie über den Verlust ihres Bruders zu trösten. 20 Als Marta erfuhr, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, eilte sie ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus. 21 Marta sagte zu Jesus: »Herr, wärst du hier gewesen, wäre mein Bruder nicht gestorben. 22 Aber auch so weiß ich, Gott wird dir alles geben, was auch immer du ihn bittest.« 23 Jesus sagte zu ihr: »Dein Bruder wird auferstehen.« 24 »Ja«, erwiderte Marta, »am Tag der Auferstehung, wenn alle Menschen auferstehen.« 25 Jesus sagte zu ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. 26 Er wird ewig leben, weil er an mich geglaubt hat, und niemals sterben. Glaubst du das, Marta?« 27 »Ja, Herr«, antwortete sie. »Ich habe immer geglaubt, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.« 28 Damit verließ sie ihn und kehrte zu Maria zurück. Sie nahm Maria beiseite und sagte zu ihr: »Der Meister ist hier und will dich sehen.« 29 Als Maria dies gehört hatte, ging sie sofort zu ihm. 30 Jesus war außerhalb des Dorfes geblieben, dort, wo Marta ihn getroffen hatte. 31 Die Leute, die zum Haus gekommen waren, um Maria zu trösten, sahen sie eilig weggehen. Da folgten sie ihr, weil sie vermuteten, dass sie zu Lazarus’ Grab wollte, um zu weinen. 32 Als Maria nun an die Stelle kam, wo Jesus war, und ihn sah, warf sie sich ihm zu Füßen und sagte: »Herr, wärst du hier gewesen, wäre mein Bruder nicht gestorben.« 33 Als Jesus die weinende Maria und die Leute sah, die mit ihr trauerten, erfüllten ihn Zorn und Schmerz. 34 »Wo habt ihr ihn hingelegt?«, fragte er. Sie antworteten: »Herr, komm mit und sieh.« 35 Da weinte Jesus. 36 Die Leute, die in seiner Nähe standen, sagten: »Seht, wie sehr er ihn geliebt hat.« 37 Einige meinten jedoch: »Dieser Mann hat doch einen Blinden geheilt. Warum konnte er Lazarus nicht vor dem Tod bewahren?« 38 Und wieder war Jesus innerlich erschüttert, während er zum Grab ging.
– Joh. 11,1-38
Die Menschen, von denen du am meisten erwartest sind die Menschen, für die wir am meisten getan haben. Wir verdienen und erwarten instinktiv, dass sie uns auch etwas Gutes tun. Mein Sohn Noah beispielsweise fragt mich nicht nach Essen. Er informiert mich, dass er Hunger hat, weil er weiß die automatische Antwort darauf ist: Essen. Ein Muster wurde gegeben, ich frag nach Hilfe – Hilfe kommt dann automatisch.

Jesus passt in beide Kategorien für Maria, Martha und Lazarus.
Sie haben außergewöhnliches für Jesus getan und Jesus hat so viele Wunder getan und Maria und Martha haben diese Wunder live miterlebt. Nun, als sie Hilfe brauchten, haben sie nach Jesus gerufen

Lesen wir noch einmal Vers 6.

Als Jesus hörte, dass Lazarus krank war, ist er aufgestanden und hat sich auf den Weg nach Bethanien gemacht. Er nahm die Zwölf mit sich mit und als er an den Ort kam, an dem Lazarus lag, legte er seine Hand auf ihn.

Das sollte hier stehen. Nicht wahr? Aber ich hab mir diesen Vers nur ausgedacht. Das ist nicht Vers 6. Und sofort stand Lazarus auf, weil er geheilt war und alle lobten Gott. Wahrlich dieser Mann ist der Messias.

Aber das steht hier nicht. Das ist meine Erwartung. Wir erwarten, dass Jesus nach einer Formel oder einem Muster handelt. Maria und Martha haben sich um Jesus gekümmert. Jesus liebt Lazarus. Lazarus ist krank. Ergo – so die Schlussfolgerung: Jesus muss jetzt als nächstes sofort kommen, um Lazarus zu heilen, weil er ihn liebt.

Der echte Vers 6: Als er von seiner Krankheit erfahren hatte, blieb er noch zwei Tage, wo er war.

Jetzt bin ich verwirrt.

Ich habe 5 Verse gelesen und habe jetzt die Hoffnung und erwarte, dass jetzt ein Happy End kommt und hier etwas von einem Heilungswunder steht. Stattdessen lesen wir, Jesus bleibt da wo er ist – anstatt dorthin zu gehen, wo Hilfe gebraucht wird, von Menschen, die er angeblich liebt.

Enttäuschung.

Aber wenn du Jesus bist, musst du doch dorthin gehen, wo man dich braucht und wir lesen auch an anderen Stellen, auch wenn Jesus physisch woanders war, hatte er doch die Macht Menschen zu heilen, die wo ganz anders waren. Er hätte doch nur ein Wort sprechen können.

Was wenn Jesus nicht das Wort spricht, auf das du gewartet hast und es dir erhoffst zu hören?

Jesus kommt erst, als Lazarus schon 4 Tage gestorben war. In Betanien berichtete man Jesus, dass Lazarus schon vier Tage im Grab lag. Im Judentum glaubte man, dass die Seele den Körper nach dem 4. Tag verlässt. Also dann war eine Person endgültig tot. Es ist wirklich vorbei. Der Autor des Johannesevangeliums wollte an dieser Stelle deutlich machen, dass jeder weiß es ist vorbei. Es gibt keine Hoffnung mehr, niemand kann Lazarus mehr helfen.

Was ist in deinem Leben gestorben? Wo ist Gottvertrauen gestorben? Wo sind Träume gestorben. Wo sind Beziehungen gestorben? Wo ist Leidenschaft gestorben? Wo sind Dinge gestorben, die dir wichtig waren? Welcher deiner Vorstellungen von Gott ist in letzter Zeit gestorben?

In Vers 4 steht: Jesus sagt, diese Krankheit wird nicht zum Tod führen.

Aber Lazarus ist gestorben.

Jesus nachzufolgen kann manchmal eine sehr enttäuschende Erfahrung sein.

PUNKT.

Lazarus ist tot, auch wenn wir wissen, dass er in ein paar Versen zum Leben auferweckt wird. Maria und Martha heulen schon seit 4 Tagen und sind wütend auf Jesus, warum er nicht gekommen ist. Sie sind sauer und enttäuscht und traurig. Sie hatten so viele Erwartungen an Jesus – und da ist so eine große Lücke zwischen ihrer Erwartung und ihrer Erfahrung. Jesus hätte es doch machen können, er hätte doch früher kommen können; er hätte doch auch einfach nur ein Wort sprechen können und Lazarus wäre nicht gestorben.

Aber er tut es nicht und es ist herausfordernd.

Es gibt einen EnttäuschungsFaktor wenn wir Jesus nachfolgen. Jesu Leben war für die Menschheit eine einzige Enttäuschung. Von der Minute als er geboren wurde: Man hat erwartet, dass der Messias in einem königlichen Palast zur Welt kommt – nein – es war ein Stall. Enttäuschung. Seine Mutter Maria, war nicht verheiratet, als sie schwanger wurde – ein Skandal – Enttäuschung. Als Jesus mit seinen Eltern vom Tempel zurückgeht, verschwindet er. Ein kleiner Junge verschwindet und Maria und Josef suchen ihn verzweifelt und finden ihn im Tempel, wo er mit den Rabbinern diskutiert. Und Jesus hat dafür Ärger bekommen – sie waren enttäuscht von ihm. Hey du hättest bei uns bleiben sollen – du musst das machen, was wir dir sagen, du bist unser Sohn. Und Jesus sagt: Ich mache das , was mein Vater mir sagt. Enttäuschung. Jesus öffnet in der Synagoge die Schriftrolle, liest etwas vor, setzt sich hin. Er sagt: der Geist Gottes ist auf mir, er hat mich gesalbt die Gute Nachricht den Armen zu verkünden, die Blinden zu heilen. Und als er all das sagte, waren die Leute wütend, weil er wie ein Prophet sprach. Sie kannten ihn nicht als Prophet – sie kannten ihn nur als Maria und Josefs Sohn – sie waren enttäuscht, dass er nicht seine Funktion als Zimmermann einnahm. Enttäuschung. Nach der Speisung der 4000, wollen die Jünger, dass er diesen magischen Trick nochmal macht und Jesus sagt: Ich bin das Brot des Lebens. Die Jünger waren enttäuscht. Als Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem einzieht, bejubelt das Volk ihn und sie rufen ihm zu Hosanna, denn ihr König war da. Und am Ende der Woche hing er am Kreuz und hatte statt einer Krone eine Dornenkrone auf dem Kopf. Der, der uns aus dieser Unterdrückung retten sollte, hat uns verlassen und enttäuscht…
Scheint so, dass wo Jesus hinkam, enttäuschte er irgendjemanden. Jeden außer dem, dem er dienen wollte.

Diese Geschichte gibt keine Antwort darauf, warum Gott Leid zulässt. Ich glaube, dass diese Geschichte uns zeigt, dass an den Gräbern unserer gestorbenen Freude, Hoffnung, Leidenschaft und Beziehung etc., dass Jesus da ganz nah ist und weint.

Vers 35 Da weinte Jesus.

Der kürzeste Vers in der Bibel. und V.38 Und wieder war Jesus innerlich erschüttert, während er zum Grab ging. Aber scheint der Text nicht anzudeuten, dass Jesus extra zu spät gekommen ist und Lazarus extra hat sterben lassen? Ich weiß es nicht. Aber ich würde was anderes daraus lernen. Jesus sagt den Jüngern, achtet darauf, was jetzt passiert. Das ist nicht bloß ein Tod, sondern das ist eine Sache, die über sich hinaus weist. In diesem Moment wird mehr passieren.

Dinge, die für euch vielleicht tot sind, nehmt die sehr bewusst wahr. Denn es können Geschichten werden, die wichtig sind, die bedeutsam sind. Irgendwo kann hier Gottes Herrlichkeit lauern. ich denke nicht, dass Gottes Herrlichkeit im Tod lauert. Der Tod ist etwas, wo man nur drüber weinen kann. Lasst die Trauer zu. Und doch ist es wichtig aufmerksam zu sein.

Lasst uns Enttäuschungen nicht betäuben oder verdrängen oder vielleicht noch schlimmer klein reden und erst recht nicht schön reden oder vergeistlichen. Aber wenn es schon Teil unseres Lebens ist, dann lasst uns aufmerksam sein.

Führt in solchen Zeiten Tagebuch, macht Fotos, haltet die Dinge fest, weil es wichtige Momente sind.

Es macht den Tod nicht besser. Aber es ist wichtig in dieser Zeit der Trauer aufmerksam zu sein und nicht zu vergessen. Vielleicht ist sogar das die Herrlichkeit, die die Jünger erleben sollten, nicht die Auferstehung. Sondern dass Jesus am Grab weinte.

Vielleicht müssen wir als Community unsere Herrlichkeit auch darin sehen, dass wir vor den Gräbern sitzen und weinen und nicht bloß darin, dass die Wunder passieren und dass Auferstehung da ist.

Ich frag mich oft, was ist das, was Gemeinde auszeichnet, erfolgreich macht und was zeigt, dass Gott am Werk ist? Es ist Mitgefühl haben wie Jesus und es ist zu erleben, dass Dinge heil werden, die kaputt waren.

Vielleicht sind einige hier, die in der letzten Zeit starke Kämpfe hatten und die glauben, nicht viel der Community beigetragen zu haben, weil ihr starke Kämpfe hattet und euch auf andere Sachen konzentrieren musstet; aber wir brauchen auch gerade diese Geschichten, weil sie uns die Möglichkeit geben einen anderen Aspekt von Gott widerspiegeln zu können.

Und zwar den des Mitgefühls. Vielleicht sagt die Art und Weise, wie ihr solche Momente durchsteht – nicht mit dieser vergeistlichenden Haltung, nicht mit Verdrängung, nicht mit Abwehr – sondern mit ehrlicher Trauer, mit Schwäche – vielleicht sagt das mehr aus, als ihr glaubt.

– Dina

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