Nackte Spiritualität #langsam

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In der letzten Woche haben wir uns über die Wörter langsam und Stille unterhalten. Als Einstieg dazu eine moderne Parabel*:

Du stehst in einem Flughafen und schaust in Richtung der großen Schiebetür, durch die alle ankommenden Fluggäste kommen und meist von irgendjemandem in Empfang genommen werden. Viele Menschen warten hier und allmählich kommen die Fluggäste heraus. Die Gepäckausgabe ist heute wieder einmal hoffnungslos überfordert. Es dauert. 

Aber nach und nach lichtet sich der Bereich vor der Schiebetür. Dein Blick fällt jetzt auf eine Frau, die immer noch wartet. Viele Menschen gehen an ihr vorbei. Sie wartet weiter. Schließlich kommt ein Mann mit einem kleinen Handkoffer durch die Tür. Du siehst zu, wie sich beide aufeinander zu bewegen und in die Arme schließen wollen. 

Natürlich kennst du die Geschichte der beiden nicht. Aber was, wenn…?

Was wenn beide eine langjährige Ehe geführt haben und es dann doch auseinander gegangen ist. Man hat sich auseinandergelebt. Misstrauen ist entstanden. Verletzungen wurden nicht aufgearbeitet. Schließlich hat der Mann die Sachen gepackt und die Frau mit drei Kindern sitzen gelassen. Bei Freunden im Ausland hat er ein paar Monate verbracht, eine neue Arbeit gefunden. eine neue Zukunft wartet. Aber dann haben beide gemerkt, dass es so auch nicht das wahre ist. Es folgten einige schwierige Telefonate und sogar eine Eheberatung per Skype. Das ging jetzt bereits viele Wochen so. Eine zerbrechliche Hoffnung entstand, dass die beiden einen neuen Versuch starten könnten. Jetzt, nach vielen Wochen, war es so weit. Der Rückflug war gebucht und so warteten zwei verletzte und hoffnungsvolle Menschen auf eine letzte Chance, ihre Liebe noch zu retten…

Oder was, wenn eine Bombe auf das Nachbarhaus einer jungen Familie irgendwo in einer der schlimmsten Krisenregionen Syriens gefallen ist. Man packte die nötigsten Sachen, setzte sich ins Auto und fuhr los. Wohin wusste niemand. Aber es ging ums Überleben. Nach mehreren Stunden gefährlicher Fahrt war das Benzin ausgegangen. Keine Tankstelle weit und breit. Also ging es zu Fuß weiter. Dann, an einem Kontrollpunkt der Rebellenarmee, wurde die Familie getrennt. Irgendwer hatte den Vater als einen Spion erkannt. Nun stand die Frau alleine mit drei Kindern da. Wie durch ein Wunder hat sie es dann doch noch zu einer befreundeten Familie nahe der Grenze geschafft. Geld für eine Schlepperbande konnte organisiert werden und zwei Tage später machten sie sich auf den Weg, über Schleichpfade in die Türkei. Von dort ging es über viele Umwege und Unsummen an Bestechungsgeldern weiter nach Deutschland. Hier konnte die Familie einen Asylantrag stellen und zum ersten mal Durchatmen. Aber was würde mit dem Vater sein? Würde er überhaupt noch am Leben sein? 

Wochen gingen ins Land. Monate vergingen. Dann erhielt ein Verwandter einen Anruf aus Frankreich. Der Vater saß am Flughafen und würde in ein paar Stunden in Deutschland ankommen. 

Oder was, wenn die beiden über ein paar Ecken verwandt wären. Die Tochter der Frau war vor kurzem beim Sport zusammengebrochen. Sofort wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert und behandelt. Kurze Zeit später trafen ihre Eltern ein. Besorgt warteten Sie auf die Diagnose des Arztes. Und die kam wie ein Hammer. Leukämie. Das Kind hätte nur eine geringe Überlebenschance. Sie braucht unbedingt eine Knochenmarkspende, doch die Warteliste war lang. Viel zu lang. In den nächsten Wochen würde sich abzeichnen, dass die geliebte Tochter den Kampf gegen die Krankheit verlieren würde. Die Eltern waren hilflos. Sie mussten mit ansehen, wie ihre Tochter immer schwächer wurde. Doch ein passender Spender fehlte. Sie würde sterben. Aber sie war doch ein Kind. Sie hatte das Leben noch vor sich. Was würde nun werden? 

Und dann kam dieser Anruf. 

Über nicht mehr nachvollziehbare Kanäle hatte ein ferner Verwandter von der Krankheit gehört und herausgefunden, dass er ein passender Spender sein würde. Er habe bereits ein Ticket und sei auf dem Sprung zum Flughafen. Er fragte, ob ihn am Abend jemand vom Flughafen abholen könnte.

Was wenn, du jetzt noch einmal hinsiehst. Dieselbe Situation, zwei Menschen treffen sich auf einem Flughafen. Aber es ist jetzt anders, richtig?

Was wenn kurz bevor sich beide in die Arme schließen können, dein Freund von der Flughafentoilette kommt und dir sagt: 

„Komm, lass uns gehen, wir müssen uns beeilen. Die Bahn fährt gleich. Ich will nach Hause.“

Was wirst du ihm sagen?

– Jason

*diese Parabel ist von Rob Bell inspiriert.

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