Advent I: Schwanger gehen mit Gottes Sohn

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Ich habe mir vorgenommen, Advent ein wenig von seiner Vorweihnachts-Sentimentalität zu nehmen. Aber zunächst einmal eine kleine Aufwärmrunde , die durchaus etwas Besinnliches hat, wie ich finde.

Wir befinden uns mitten in der Adventszeit.
Das neue Kirchenjahr hat angefangen. Allerdings wurde es nicht mit Pauken, Trompeten und Feuerwerk eröffnet. Stattdessen haben wir es mit einer Phase des Wartens zu tun, mit mehr als drei Wochen, in denen wir die Gelegenheit haben, uns einerseits in Geduld zu üben, indem wir sagen: „Gott, dein Wille geschehe. Tu, was du willst, wie du es willst und wann du es willst.“ Auf der anderen Seite dürfen, ja sollten wir bei Bedarf auch ehrlich genug sein, hinzuzufügen: „Ich wünschte nur, du würdest es bald tun.“

Darum ist Ungeduld gerade durchaus angebracht. Doch nur weil sie vernehmlich mit den Hufen scharrt, sollte sie nicht ungezügelt losgaloppieren.
Dementsprechend gibt es unter Christen “Adventssnobs”, die zugegebenermaßen meine Sympathien auf ihrer Seite haben, wenn sie gegen das verfrühte Singen von Weihnachtsliedern protestieren. Denn bis wir die Geburt Jesu zelebrieren, ist es noch etwas hin. Das ausgelassene Feiern dieses Ereignisses hat auch seine Zeit (und zwar ganze zwölf Tage!), aber nimmt man das Happy End der Geschichte vorweg, verliert sie womöglich ein wenig an Bedeutung.

Schließlich gibt es immer noch Ausstehendes, Unerfülltes, Dinge, die wir uns ersehnen. Oft halten wir das Warten nur schlecht aus und sind versucht, es zu vermeiden oder zu überspielen, bringen uns dadurch aber um Erfahrungen, die im Grunde unverzichtbar sind, wollen wir uns wirklich weiterentwickeln.

Aber ist Advent tatsächlich relevant für uns? Welche Bedeutung hat diese Uralttradition hier und heute?
Wir denken eben nicht nur an das Volk Israel, das mehrere Jahrhunderte auf den Messias gewartet hatte, bis Jesus vor zwei Millennia auf der Bildfläche erschien.  Wir harren auch nicht bloß aus, bis der Retter dieser Welt das nächste Mal auftaucht (und Christen und Juden endlich die Frage klären können, ob er denn schon einmal hier gewesen sei).

Nein, Gott ist auch derjenige, der in der Gegenwart zu uns kommt. Der christliche Mystiker Meister Eckhart stellte die Frage, was es nütze, dass Maria Christus in sich trug, wenn nicht auch wir ihn heute in uns tragen – eine Vorstellung, die in katholischen sowie in ostkirchlichen Kreisen noch angedeutet wird, wenn Maria Theotókos, Gottesgebärerin genannt wird.

Gott lädt uns in jedem Moment dazu ein, das, was ihn ausmacht, in uns reifen und wachsen zu lassen, damit es sich materialisiert, Gestalt annimmt und geboren werden kann. Wir dürfen diesem Locken gegenüber offen sein und uns dem verschreiben, was unser guter Vater der Welt durch uns schenken will.

Und so ist der Appell an Immanuel (Gott mit uns), er möge zu uns kommen, kein Anrufen einer fernen Gottheit. Schon im vierten Jahrhundert sprach der Theologe Augustin davon, dass unser Schöpfer uns näher sei als wir uns selbst. Ich finde, eine Schwangerschaft ist eine wunderbare Metapher für diese simple und doch profunde Erkenntnis.

Was bedeutet dir Advent?
Hast du Lieblingslieder zum Thema (kirchlich oder „säkular“)?

Hier eins aus dem ersten Adventsalbum von The Brilliance:
http://www.youtube.com/watch?v=oXEcplj8DMM

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