Was wir mit der Bibel anfangen können #Teil 2

#Gewalt

Eine Sache, die an der Bibel immer wieder kritisiert wird, sind die vielen Stellen – besonders im Alten Testament – die von Gewalt nur so strotzen.

Nehmen wir das Buch Josua. Es beschreibt die sogenannte „Landnahme“, wie das Volk Israel also in das Land Kanaan zieht und nach Gottes Befehl die Bewohner ausrotten soll. Dieser Befehl, die kanaanäischen Völker unter den Bann zu stellen, geht auf 5.Mose 7 zurück, wo es heißt:

Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, (…) und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken. Du sollst keinen Bund mit ihnen schließen und keine Gnade gegen sie üben

Puhhh.

Gibt es Menschen, denen man keine Gnade erweisen sollte? Gibt es Menschen, die Gott aufgibt? Gibt es Menschen, die Gott verwirft und vertilgen lässt?

Im Buch Josua wird dieser Text zunächst sehr strikt befolgt:

So eroberten sie die Stadt (Jericho) und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts, an Mann und Weib, Jung und Alt, Rindern, Schafen und Eseln.

– Josua 6

Göttlich legitimierter Völkermord? An Alten, Frauen und Kindern?

Puhhhh…

Ein paar Gedanken, die vielleicht helfen.

Man könnte sich fragen, wie Jesus mit diesen Textstellen umgegangen ist. Hat er die Geschichte von Josua vielleicht besonders betont? Oder hat er vielleicht geglaubt, dass unter seiner Führung, die unvollständige Landeinnahme nun endlich zu Ende gebracht wird? Was sagt Jesus nun über Josua?

Gar nichts.

Es gibt unter den Begebenheiten aus dem Leben Jesu aber eine einzige, in der Jesus einer kanaanäischen Frau begegnet. Die bittet Jesus darum, mit ihm gnädig zu sein (Matthäus 15). Sollte man von Jesus nicht erwarten, dass er sich an die Bibel hält? Keine Gnade für Kanaaniter!?

Aber Jesus hilft ihr schließlich und heilt ihr Kind und lobt die Frau für ihren Glauben! Jesus tut damit genau das, was er nicht tun sollte. Er übt Barmherzigkeit an denen, die laut 5.Mose keine Barmherzigkeit erfahren sollten. Er bringt Heilung, wo zerstört werden sollte. Er adelt den

Glauben derjenigen, die als Ungläubige gegolten hatten!

Ein anderes Beispiel.

Lukas 4

Die erste Predigt von Jesus war eine Auslegung zu einem Vers aus Jesaja 61. Jesus liest den Text vor, setzt sich und sagt Heute hat sich diese Schriftstelle vor euren Augen erfüllt. Ende der Predigt. Dann heißt es, dass die Zuhörer protestierten, weil er solch Worte der Gnade verkündet hatte. Schließlich wollen sie ihn auf der Stelle lynchen.

Was war so provokativ an der Predigt? Es war das, was Jesus nicht gesagt hatte. Jesus hatte die hoffnungsvollen Worte der Heilung, Befreiung und Gnade zitiert, aber an der entscheidenden Textestelle abgebrochen und die Rolle demonstrativ zugerollt. Was hat er ausgelassen? In Jesaja 61,2 heißt es: …er hat mich gesandt, um auszurufen ein Gnadenjahr des Herrn (hier bricht Jesus ab) und einen Tag der Rache unseres Gottes.

Jesus hat den Teil mit der Gewalt gegen die Feinde Israels weggelassen! Jesus predigte einen anderen Ansatz, wie man Feinden begegnen sollte:

mit Liebe.

Wie war es mit Paulus? Wie ging er mit solchen Textstellen um?

Lesen wir einmal nach, in Römer 15:

Und er (Jesus) kam, damit auch die anderen Völker Gott für die Barmherzigkeit ehren, die er ihnen erwiesen hat. Das meinte auch der Psalmist, als er schrieb: »Ich will dich preisen unter den Völkern; ich will deinem Namen Loblieder singen.« [Psalm 18, 50] Und an anderer Stelle steht: »Freut euch, ihr Völker, gemeinsam mit seinem Volk.« [5. Mose 32, 43]

Die Völker würden Gott für seine Barmherzigkeit an ihnen loben. Das war Sinn und Zweck dessen, dass Jesus auf die Erde gekommen ist. Woher können wir das Wissen? Der Psalmist hat es gesagt.

(Man achte auf die Wortwahl von Paulus, er sagt: Das meinte auch der Psalmist, als er schrieb…)

Paulus zitiert mit Psalm 18 einen der eher gewalthaltigeren Psalmen der Bibel. Dort liest man z.B.

Ich will meinen Feinden nachjagen und sie ergreifen und nicht umkehren, bis ich sie umgebracht habe. Ich will sie zerschmettern, dass sie nicht mehr aufstehen können; sie müssen unter meine Füße fallen. (…) Der HERR lebt! Gelobt sei mein Fels! Der Gott meines Heils sei hoch erhoben, der Gott, der mir Vergeltung schafft und zwingt die Völker unter mich, der mich errettet von meinen Feinden. / Du erhöhst mich über die, die sich gegen mich erheben; du hilfst mir von den Frevlern. Darum will ich dir danken, HERR, unter den Heiden und deinem Namen lobsingen, der seinem Könige großes Heil gibt / und Gnade erweist seinem Gesalbten, David, und seinem Hause ewiglich.

Was meinte der Psalmist wirklich? Dass Gott barmherzig mit den Völkern ist? DAS ist die eigentliche Bedeutung von Psalm 18?

Wenn man Paulus fragt, dann ja!

Wenn wir das Alte Testament lesen, dann gelten demnach andere Regeln. Texte, die Gewalt gutheißen fallen also entweder unter den Tisch (Jesus) oder werden völlig anders verstanden (Paulus).

Wir brauchen also eine ganz besondere Linse, wenn wir uns diesen Texten nähern wollen – die Jesus Linse.

dazu bald mehr.

– Jason

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